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Indianische Kinder müssen sich mit vielerlei Problemen auseinandersetzen, was es für sie schwierig macht, auf glückliche und gesunde Weise aufzuwachsen.

Die traditionellen Werte der Lakota wurden mit nicht-indianischen Werten ersetzt. Der daraus resultierende Lebensstil führt zu den schlimmsten Statistiken, was Gesundheit, Bildung, Arbeitslosigkeit, Wohnsituation, Rechtsanspruch usw. führt. Ein amerikanischer Anwalt hat das mit den Worten: „Indianer sind die am häufigsten zu Opfern gemachte Bevölkerungsgruppe in den USA“ klar zum Ausdruck gebracht.

Das Jugendamt des Bundesstaates Süd Dakota meldet, dass über 60% der Kinder in Pflegefamilien Indianer sind. (Von der Gesamtbevölkerung in Süd Dakota sind 10% Indianer). Eine ähnliche Statistik gilt für indianische Jugendliche in Justizvollzugsanstalten.

Alkohol und Drogen sind die Hauptursachen für den Zusammenbruch des Familiengefüges. In 8 von 10 Reservatsfamilien gibt es Probleme, die durch Alkohol verursacht werden und die seit mehr als einem Jahrhundert verheerende Auswirkungen auf die Spiritualität, die Kultur, die Politik, die Gesundheit und das seelische Gleichgewicht der indianischen Bevölkerung haben.

Dieses Leiden, das sich von Generation zu Generation fortsetzt, hat zu einer großen Anzahl von Kindern geführt, die unter dem Fetalen Alkoholsyndrom leiden, sowie zu Drogenmissbrauch, Manischen Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.
Derzeit verursacht der Einfluss von Straßengangs auf das Verhalten von Jugendlichen den größten Schaden und führt zu Schulabbruch, Kriminalität, Gesundheitsproblemen und Selbstmorden.

Es wurden auf den Reservationen Programme entwickelt, die sich gezielt mit diesen Problemen beschäftigen, aufgrund der Komplexität der Problematik jedoch den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht werden können.

 
 
 
House

Wohnraum

Der Mangel an Wohnraum im Pine Ridge Reservat ist groß und die Warteliste dafür ist lang. Es gibt Familien die monatelang in einem Zelt oder Auto leben, sogar im Winter.
Andere leben mit vielen Personen in Häusern, die in erbarmungswürdigem Zustand sind.
Im Durchschnitt leben 17 Menschen in einem Haus, das für eine vierköpfige Familie gebaut wurde. Es wurden schon 30 Bewohner in einem Haus angetroffen, das für 8 Personen ausgelegt ist.

Die meisten Häuser sind sehr schlecht isoliert und verfügen nicht über ausreichende Heizmöglichkeiten.

Ca. 40% der Haushalte haben keine Elektrizität. Oft haben die Häuser keine Herde, Kühlschränke, Betten oder anderes Mobiliar. Über 400 Häuser haben keinen Wasseranschluss und bekommen ihr Wasser durch LKWs geliefert. Das Wasser wird hinter den Häusern in Tanks mit einem Fassungsvermögen von ca. 200 Litern gelagert. In den Wintermonaten müssen die Tanks jedoch ins Haus gebracht werden.
 
 

Fehlernährung

Die traditionelle Nahrung der indianischen Stämme der Great Plains bestand in erster Linie aus magerem Fleisch, Wildgemüse, Beeren und Quellwasser. In den frühen Reservatsjahren hatten viele Familien Gärten und achteten darauf, wie sie sich ernährten. Nach und nach fand jedoch die amerikanische Lebensart ihren Weg in die Reservate und  brachte fettes Fleisch, zuviel stärkehaltige Nahrungsmittel, wenig Ost und Gemüse, überzuckerte Getränke und Bewegungsmangel mit sich.
Ein anderer Grund für schlechte Ernährung ist Geldmangel. Die meisten Reservatsfamilien haben nur ein begrenztes Budget für Nahrungsmittel, von dem viele Familienmitglieder ernährt werden müssen. Quantität wird so wichtiger als Qualität, woraus Fettleibigkeit und ernährungsbedingte Krankheiten resultieren.

 
 

Physische und psychische Gesundheit

In den vorangegangenen Abschnitten machten wir auf einige Gegebenheiten aufmerksam, die bei Kindern und Jugendlichen in den Reservaten zu Gesundheitsproblemen führen können. Darüber hinaus birgt auch das, was die Gesundheit von Erwachsenen gefährden kann, ein Risiko für Kinder und Jugendliche.
Hierzu zählen unter anderem: Tuberkulose, Lungenentzündung, Autounfälle durch Trunkenheit am Steuer und Gewalttätigkeit bis hin zu Mord.

Das Krankenhaus in Pine Ridge berichtet von 12-jährigen, die wegen Geschlechtskrankheiten behandelt werden müssen.
Eine frühe sexuelle Aktivität führt auch zu einer großen Anzahl von Teenager-Schwangerschaften.

young mother

Diabetes
Mehr als 45 % der Erwachsenen im Reservat leiden unter Diabetes Typ 2. Diabetes führt zu zahlreichen Begleit- und Folgeerkrankungen und einer großen Anzahl von Dialysepatienten.
Fälle von Diabetes Typ 1, die normalerweise bei Kindern vorkommt, sind eher selten. Immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken jedoch an Diabetes Typ 2, die in Zusammenhang mit Fettleibigkeit und nicht ausreichender Bewegung steht.

FAS/FAE
Der Alkoholkonsum von Müttern während der Schwangerschaft ist einer der häufigsten vermeidbaren Gründe für Geburtsschäden und Entwicklungsstörungen. Zu den schlimmsten Folgen zählen das Fetale Alkoholsyndorm (FAS) oder die Fetalen Alkoholeffekte (FAE), die zu Missbildungen des Gehirns und des Gesichts sowie Wachstumsstörungen führen können. Dies sind bleibende Schäden, die das Leben der betreffenden Person in jeder Hinsicht beeinflussen. .
Da bei 8 von 10 Reservatsfamilien Alkoholprobleme auftreten, gibt es eine große Anzahl von Neugeborenen mit FAS/FASE.

Eines der häufgsten psychischen Probleme ist die manisch -depressive Erkrankung. Wenn sie nicht behandelt wird oder Drogenkonsum dazukommt, kann sie zu Selbstmord führen.

Selbstmord von Teenagern
Bei den Ureinwohnern Amerikas ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache. Die Anzahl der Selbstmorde bei Teenagern in den Reservaten ist anderthalb mal größer als im Landessdurchschnitt.

 
 

Kindesmisshandlung / Sexueller Missbrauch

Vor nicht allzu langer Zeit fand in Rapid City eine Konferenz statt , an der eine Stammesrichterin des Pine Ridge Reservats teilnahm. Sie sagte, dass ihr derzeit 40 Fälle von Kindesmissbrauch vorliegen. Jeden Tag werden neue Fälle vom Jugendamt des Staates Süd Dakota untersucht.
Das Justizministerium veröffentlichte eine Statistik, dass bei den Ureinwohnern Amerikas die Anzahl von misshandelten oder vernachlässigten Kindern doppelt so groß ist, wie beim Rest der Bevölkerung. Darüber hinaus wird geschätzt, dass 40 % der Fälle von Kindesmisshandlung oder Vernachlässigung von Kindern nicht gemeldet wird.
Die schlimmste Form von Kindesmisshandlung ist der sexuelle Missbrauch (nicht nur bei Mädchen, auch bei Jungen). Es gibt Fälle bei denen das Kind sexuell missbraucht wurde, weil die Mutter zur Arbeit ging oder der Einladung zum Trinken folgte und das Kind in der Obhut eines Verwandten oder Nachbarn ließ, über den sie nicht viel wusste.
Manchmal tun Eltern dies ihren eigenen Kindern an. Kinder, die selbst sexuell missbraucht wurden, können als Erwachsene selbst zu Tätern werden. Eines ist jedoch sicher: Der sexuelle Missbrauch von Kindern war keine indianische Tradition.  
Sexueller Missbrauch kann zu nachlassenden schulischen Leistungen, Aggressivität, Depressionen und Selbstmordversuchen führen.

 
 
Suchtverhalten  

Whiteclay
Whiteclay, Nebraska

Alkohol ist noch immer das beliebteste Suchtmittel auf der Pine Ridge Reservation. Alkoholkonsum ist auch ein schwerwiegendes Problem bei den Kindern und Jugendlichen

Eine Studie über nicht-indianische Jugendliche der Schuljahre 7 bis 12 zeigt, dass 71% bestätigten, dass sie Alkohol getrunken haben, 55% bestätigten, dass sie betrunken waren und 34% bestätigten Alkoholkonsum während des vergangenen Monats.

 

Die Krankenhäuser im Reservat berichten über Fälle von betrunkenen Kindern ab einem Alter von 9 Jahren.

Tabak wurde bei den Indianern seit Generationen in zeremonieller Weise verwendet. Die Art und Weise, wie Tabak heutzutage benutzt wird, kann jedoch zu Krankheiten und einer kurzen Lebenserwartung führen. Jeder ist sich der Gefahr bewusst, die das Zigarettenrauchen mit sich bringt. Es gibt jedoch auch noch eine andere, bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebte Gewohnheit, das Kauen von Tabak.
Unter allen ethnischen Gruppen sind die indianischen Kinder und Jugendlichen am meisten vertreten, wenn es um das Tabakkauen geht. Es wurde von Fällen berichtet, wo Kinder im Vorschulalter Kautabak verwendet haben. Da Kautabak Nikotin enthält, führt auch dieser zur Abhängigkeit. Abgesehen von anderen Gesundheitsproblemen, kann Kautabak zu bleibendem Zahnfleischschwund und sogar Mund- oder Speiseröhrenkrebs führen.

Marihuana (Cannabis) ist eine weitere sehr beliebte Droge in den Reservaten. Obwohl bekannt ist, dass Marihuana nicht zu einer körperlichen Abhängigkeit führt, hat sich jedoch gezeigt, dass Langzeitgebrauch zu Beeinträchtigungen des Lernvermögens, des Gedächtnisses, der Auffassungskraft und des Urteilsvermögens führen kann. Auch Schwierigkeiten beim Sprechen, effizienten Zuhören, Wissen aufnehmen und Probleme lösen, sind mit Marihuanagebrauch über einen längeren Zeitraum verbundne. Manche Benutzer entwickeln Persönlichkeitsstörungen. Der Gebrauch von Marihuana ist auch illegal und kann für manche Jugendlichen ein Stolperstein bei der Bewerbung um eine gute Arbeitsstelle werden, wenn sie auf diese Weise straffällig wurden.  

Methamphetamin stellt ein weiteres schwerwiegendes Drogenproblem bei Jugendlichen in den Reservaten dar, das schnell zunimmt. Indianer stellen die höchste Anzahl von Methamphetamin-Benutzern in den USA.
Die preiswerte Droge gibt dem Benutzer ein angenehmes Hochgefühl, das schnell in eine Niedergeschlagenheit wechselt, bis hin zu schweren Depressionen. Der Benutzer nimmt die Droge immer weiter, um den euphorischen Zustand beizubehalten und wird schließlich abhängig.
Der Missbrauch von Methamphetamin führt zu einer Vielzahl von physischen und psychischen Problemen. Eines davon ist häufiges gewalttätiges Verhalten. Ein in der Nähe von Reservationen befindliches Büro des FBI schätzt, dass 40 - 50 % der von ihnen untersuchten Gewaltverbrechen durch die Droge verursacht werden. 74% der Stammespolizisten betrachten Methamphetamin als die größte Bedrohung, was Drogen angeht.

 
 

Wenige Freizeitmöglichkeiten

Im Reservat befinden sich viele Häuser in ländlichen Gebieten. Manche Schüler verlassen morgens um 6 Uhr das Haus, um im Schulbus eine Strecke von 80 - 95 km zurückzulegen, bis sie an der Schule ankommen. Der Bus hält häufig, um andere Schüler aufzunehmen.

Die Schulen bieten verschiedene Sportarten als Freizeitaktivitäten an. Besonders Basketball ist bei den Jugendlichen im Pine Ridge Reservat sehr beliebt.

Außer Sport, gibt es für Jugendliche in ländlichen Gegenden lediglich Fernsehen, Videospiele und Spielfilme als Zeitvertreib.

Manche Bezirke des Reservats haben Jugendzentren. Es gibt jedoch für die Jugendlichen keine Transportmöglichkeiten, um diese zu besuchen.

Basketball

Armut

In Shannon County, einem Landkreis im Pine Ridge Reservat in Süd Dakota, leben mehr als 51% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Hiervon sind 57 % Kinder unter 18 Jahren.